Kolumne: Lass´ fließen.

Liebesbriefe von Alice.
„Der Wochenrückblick über Themen, die Alice bewegten.
Immer in Verbindung mit Liebe.“

„Lieber Freund,

gestern war der obligatorische Glückstag des Monats, denn die „13“ hatte sich wieder einmal auf den Kalender geschummelt. Ich schmunzle während ich dies schreibe und rückblickend auf die vergangene Woche entnehme ich meinen Notizen, dass das Glück in vielerlei Hinsicht ins Haus einzog. Die Wegweiser zum Glück zeigten sich nicht immer so offensichtlich und letzten Montag und Dienstag forderten die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes sogar dazu auf jeglichen Zweifel am Glück hinwegzuspülen und einfach alles fließen zu lassen. Dem Wasser kam diesbezüglich eine besondere Bedeutung zu – dem Element, dem die Liebe so nah ist, da auch sie im besten Fall fließt. Ganz leicht und völlig unbelastet, frei von Erwartungen, bedingungslos und mit dem Vertrauen, dass die Dinge sich finden, die zusammengehören. Voller Zuversicht und doch ohne Sicherheit, da das Leben nach seinen eigenen Regeln spielt und sich von Zeit zu Zeit jeglicher Kontrolle entzieht. Dann die Zeichen zu erkennen ist nicht immer leicht, da sie zumeist unverhofft in Erscheinung treten und doch, oder gerade deshalb, freut es mich zutiefst Dir schreiben zu können, dass ich gestern daran erinnert wurde, dass goldene Zeiten dieses Jahr begleiten und die Liebe ebenfalls ein ständiger Begleiter ist.

Am Mittwoch erinnerte mich ein Herr mit musikalischem Gespür daran, dass auch das Staunen nicht aus dem Blickwinkel verschwinden darf, das Kinderaugen zum Leuchten bringt. Im Hinblick auf meine Lesung gestern Abend war es in diesem Moment genau dieser Ausdruck, in den ich eintauchen wollte. Doch dies lag zu diesem Zeitpunkt noch vor mir und so lautete die Devise: alles zu seiner Zeit und „Lass´fließen“. Und nun entführe ich Dich zu den Anfängen der Woche, als das Glück einzog.

Am Donnerstag vor einer Woche bewegte ein Gespräch mit meinem Sohn einen Moment lang den Vormittag und schaukelte Wogen nach oben, auf denen ich besonnen und mit Ruhe hin- und hergleitete. Nur wenig später offenbarte sich, dass es den nötigen Antrieb auslöste, um Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Die Wechselhaftigkeit der Gefühlswelten und die sich fast überschlagenden Ereignisse in kürzester Zeit brachten selbst mich wieder einmal zum Staunen und sogleich konnte ich das Erlebte bei einem Kaffee mit der Schmetterlingsdame teilen. Die glücklichen Fügungen erhellten meine Seele und nach einem kleinem Zwischenstopp in Hafennähe, begab ich mich beschwingt auf meinem Drahtesel auf die andere Seite des Flusses, um einen Freund namens „Café“ oder umgekehrt einen Besuch abzustatten. Dort traf ich die Dame des Hauses an und nach einer beherzten Begrüßung und etwas Geduld nahmen wir uns ausreichend Zeit um die Details der geplanten Lesung rund um das Umweltprojekt Bridge to Hawaii zu besprechen. Fließend fand sich dann mein Wunschdatum ein, wurde ohne „wenn und aber“ von der Dame angenommen und zeigte somit einen vom Glück beschienenen Ausblick auf die Veranstaltung am 13. April. Es bot sich auch die Gelegenheit der Dame von einer weiteren Dame zu berichten, die ich auf Hawaii vermutete. Nun stellte sich jedoch heraus, dass sie mit dem Mann an ihrer Seite hier im Süden des Landes gerade verweilte und ihr Interesse an einem Besuch der Lesung kundtat. Was für ein Überraschung, die mir ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Der Vormittag des letzten Freitags gestaltete sich dann auf kreative Art rund um das Umweltprojekt und die Lesung, an dessen Ende ein hübscher Flyer in meinen Händen lag. In mehrfacher Ausführung wechselte dieser über den Tag verteilt schließlich den Besitzer und fand sich auch am schwarzen Brett einer größeren Gemeinschaft wieder. Auf dem Bauernmarkt überreichte ich am Gemüsestand der Dame des Hauses einen Handzettel, den sie weiterreichen wollte und mir nach meinen Einkäufen noch einen persönlichen Einblick in ihr Leben gewährte, für den ich ihr viel Energie und alles Gute wünsche. In Begleitung der Namensvetterin der Dame mit psychologischem Gespür führte mich der weitere Weg ins französisch angehauchte Café in der Nähe des Marktes. Die nachfolgenden Stunden vergingen dank eines anregenden Gedankenaustauschs wie im Fluge, so dass ich doch sehr überrascht die frühe Abendstunde wahrnahm, als die Dame und ich uns voneinander verabschieden wollten. Entgegen sonstiger Gewohnheiten endete mein Tag noch nicht in den heimischen Gefilden, die dieses Mal lediglich als Zwischenstation dienten, in der ich einige Liebesbriefe verfasste und ihre Adressaten von Herzen gern zur bevorstehenden Lesung einlud. In Begleitung der Nacht und einem literarischen Werk samt Widmung fand ich mich schließlich in den späten Abendstunden in einer Bar ein. Ein Herr, der dort für das musikalische Ambiente sorgte, erwartete mich bereits und da wir uns schon eine Zeit lang nicht mehr gesehen hatten, war die Freude umso größer. Zeitgleich traf ich dort unverhofft auch auf eine Dame mit rotem Haar und wallenden Gewand, die mit mir in der virtuellen Welt in Verbindung steht und sich ebenfalls über unsere Begegnung freute. Nach der Übergabe des Buches an den Herrn verbrachte ich noch eine volle Stunde an diesem Ort und vergnügte mich an der goldenen Decke und den Beobachtungen um mich herum, bis es mich wieder zurück in die heimischen Gefilde zog.

Nach einem eher unauffälligen Samstag, der sonnige Vorboten schickte, mit wild wachsendem Rosmarin am Wegesrand aufwartete und kurzfristig die Tango-Leidenschaft entfachte, zeigte sich der Sonntag von seiner angekündigten, besten Frühlingsseite. Bei strahlendem Sonnenschein und herrlich warmer Luft radelte ich in der späten Mittagsstunde entlang des Flusses in Richtung Süden und erfreute mich am Anblick des Hafens und der Skyline, an grün umrahmten Strandabschnitten und Rheinauen sowie dem bunten Treiben sportlicher Herrschaften auf dem sogenannten „Green“, die einen kleinen, weißen Ball vor sich her schlugen. Zahlreiche Menschen kreuzten meinen Weg, von denen so mancher seine Rastlosigkeit des Alltags noch nicht abgelegt hatte. Nach der Umrundung der Landzunge sowie später auf der Terrasse eines Ruderclubs überraschten mich nacheinander zwei Herren mit ihren Herzensdamen, die eine Gemeinsamkeit inne hatten. „Berlin, Berlin“ lautet ihr Berührungspunkt, wobei der eine seinen Lebensmittelpunkt dorthin verschoben und der andere gerade seine Zelte dort abgebrochen hatte, um hier nun wieder Fuß zu fassen. Ich freute mich über das Wiedersehen der Herren und Kennenlernen der Damen und nach einem gebührenden Gedankenaustausch ließ ich mit mir wieder allein auf Loungemöbeln unter blauem Himmelsdach die Seele baumeln.

Mit stetig wechselndem Publikum und neuen Tischnachbarn mit Hund kam keine Langeweile auf bis die Schmetterlingsdame ihren Besuch ankündigte. Wenig später genossen wir dann zu zweit die pralle Sonne auf unserer Haut und ließen die Gedanken treiben. Irgendwann nahm eine umtriebige Gesellschaft rund um uns herum Platz, von der ein Herr im besonderen Maße herausstach. Unüberhörbar machte er auf sich aufmerksam und knüpfte sogleich mit seinem ganz eigenen Humor Kontakt zum Schmetterling und mir. Bald überließen wir diese illustere Runde sich selbst und begaben uns wenig später wieder getrennt voneinander auf den Heimweg. Dieser belohnte mich noch mit bezaubernden Flussansichten, die mich zum kurzen Verweilen animierten bis ich auf dem heimischen Balkon schließlich wieder auf die Schmetterlingsdame traf, um die letzten Sonnenstrahlen und kulinarisches dort in Ruhe zu genießen.

Der Montag und der Dienstag standen dann ganz im Zeichen von „Waterworld“ mit nur wenigen Unterbrechungen im Covent Garden, einem Besuch im hiesigen Baumarkt, einer Kaffee-Pause im Enuma, die mich fast zu Fall brachte und der überraschenden Begegnung mit dem Herrn von der Post, den ich in diesem Teil der Stadt nicht vermutet hätte. Zwei äußerst lehrreiche Tage, in denen sich zeigte, das zwei Damen mit viel Humor und gegenseitiger Unterstützung jede Gefühls- und Wasserlage mit Bravour meisterten und zum Dreamteam avoncierten. So hielt uns das Wasser, das sich in der Küche seinen Weg bahnte wie es ihm gefiel, zwei Tage in Atem und zeigte uns auch, dass manche helfende Herrenhand nur bedingt hilfreich war. Letztlich löste die Gemeinschaft die feuchte Angelegenheit, die ihren Tribut am Mittwoch in Form von Erholung forderte und die Erkenntnis reifen ließ die Dinge einfach fließen zu lassen, sich dem Leben hinzugeben und den Wunsch nach Kontrolle für den Moment aufzugeben. So ergaben sich dann auch völlig frei und ungezwungen unvorhergesehene Treffen mit der Schmetterlingsdame, gefolgt von einer lebensfrohen Dame aus dem monatlichen Kunstkurs und etwas später mit der sanftmütigen Dame, die ich einst im französischem Bistro kennenlernte und die sich an diesem Nachmittag recht selbstbewusst und mutig präsentierte. Alle drei verabschiedete ich mit dem Bewusstsein diese am Donnerstag Abend zur Lesung wiederzusehen und dieser Umstand erfreute mich zutiefst.

Wie erging es mir nun auf meiner ersten Lesung zu „Liebesbriefe von Alice.“ und „Bridge to Hawaii“? Nun, zunächst begab ich mich in Begleitung der Schmetterlingsdame und mit einem Boomerang und Liebebotschaften im Gepäck, zum ersten Mal ohne Drahtesel zum Café „Freund“ auf die andere Seite des Flusses. Der Boomerang sorgte bei so manchem auf dem Weg für Aufsehen und einer jungen Dame in Begleitung ihrer Mama, erklärte ich auf unserem kurzen Stück gemeinsamen Weges die Herkunft und reichte ihr das Stück Holz für einen Augenblick, der ihre staunenden Kinderaugen zum Leuchten brachte. Im Café angekommen begrüßte uns zunächst die Tochter des Hauses, die unsere Wünsche bestens bediente und wir uns nun mit ausreichendem Abstand zum Beginn der Veranstaltung auf den Abend einstimmen konnten. Noch am Nachmittag zuvor durchflutete mich eine innere Ruhe und Gelassenheit, die den Gedanken wachrief die kommenden Stunden einfach fließen und mich von der Welle des Glücks tragen zu lassen. Schließlich ging dieser Tag auch mit meiner persönlichen Glückszahl einher und präsentierte eine sonnige Wetterlage, mit der niemand gerechnet hatte. Ein Himmelsgeschenk. Was sollte da noch schief gehen!?

Beschenkt wurde ich dann in jeglicher Hinsicht. So traf ich über den Abend verteilt auf zauberhafte Menschen, die den Weg ins Café auf sich genommen hatten, um meinen Worten zu lauschen. Später stieß sogar noch ein junges Paar unverhofft zu der Gesellschaft, das in den Kreis der Zuhörer und mit offenem Herzen aufgenommen wurde und ebenso aufmerksam meiner Lesung folgte. Bekannte und bis dato unbekannte Menschen schenkten mir ihr Gehör, erfreuten mich mit ihrer Anwesenheit und interessierten sich für die Hintergründe meines Umweltprojektes. Die Gastgeberin des Abends und Dame des Hauses beglückte uns derweil mit ihrer Anwesenheit und sorgte für einen passenden Rahmen in jeglicher Hinsicht. So entstand in den folgenden Stunden eine Atmosphäre des Wohlfühlens mit Applaus für das Gehörte, einer ausgedehnten Zugabe, Komplimenten für die schönen Worte und dem Knüpfen neuer Verbindungen untereinander. Mit Liebebotschaften bestückt verabschiedeten sich später nach und nach die Gäste mit Dank und inspirierten mich und die Dame des Hauses zu einer baldigen Wiederholung. Schließlich hieß es auch an dieser Stelle Abschied auf Zeit zu nehmen und mit einer herzlichen Umarmung verließen die Schmetterlingsdame und ich diesen Ort und die Menschen darin. Einen schöneren Verlauf hätte ich mir nicht wünschen können und somit freue ich mich nun auf die Aussichten, die damit einhergehen. Bis bald, mein Freund!

In Liebe,

Alice

PS. Abschließend gilt mein besonderer Dank allen Anwesenden des gestrigen Abends. Es war mir eine Ehre und eine große Freude Eure Vorleserin zu sein. Ein besseres Publikum hätte ich mir nicht wünschen können und denkt bitte daran:

„Wasser bahnt sich seinen Weg, wie es die Liebe auch tut.
In diesem Sinne: Lass´fließen.“

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerei frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer mit dem Blick was draussen passiert - sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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