Kolumne: Die Welt ist in Bewegung.

„Liebesbriefe von Alice.“
„Der Wochenrückblick über Themen, die Alice bewegten.
Immer in Verbindung mit Liebe.“

„Lieber Freund,

als ich damals von meiner Reise ins Land der Kängurus zurückkehrte, brachte ich unter anderem ein Stück Tradition und Kultur der Aborigines mit: einen Boomerang. Ein wunderschönes Original, das seinerzeit kunstvoll verziert wurde und mich immer wieder an meine Zeit dort und die liebevollen Begegnungen mit den Menschen vor Ort erinnert. Ab und zu nahm ich den Boomerang dann in den Wochen nach meiner Ankunft auf meinen Streifzügen durch die Stadt einfach mit und erfreute so manchen auf meinem Weg durch diesen Anblick. Manches Mal lauschte man dann meinen Geschichten, die in Verbindung damit standen oder erzählte mir von den eigenen Erinnerungen und Erfahrungen mit dem fünften Kontinent. Klein oder groß, ganz gleich wie alt, der Boomerang war wie ein Schlüssel zu den Herzen derer, denen ich begegnete und die dann vor Freude strahlten. Nach meiner Rückkehr sagte der Weihnachtsmann einmal zu mir, der Boomerang sei wie die Liebe, denn wenn man sie bedingungslos aussendet, dann kommt sie wie er immer wieder zu einem zurück.

Der vergangene Donnerstag wartete zunächst mit einigen gedanklichen Wirrungen auf, die mich immer wieder an diesem Tag beschäftigten und auch ihre Wirkung darin zeigten, dass ich nicht allzu genau wusste, wo es mich örtlich hinzog. Zwei Tage zuvor hatte ich symbolisch den Boomerang ausgeworfen und nicht damit gerechnet, dass er so schnell wiederkommen würde. So machten sich zunächst noch alte Wunden bemerkbar, die ich erst einmal zuordnen musste, um mir dann Klarheit darüber zu verschaffen, dass die Vergangenheit längst hinter mir lag, nur das Hier und Jetzt zählte und zukünftige Begegnungen erst von Bedeutung sein würden, wenn die Gegenwart sie erreicht. Schließlich fand ich mich nach einem Zusammentreffen mit einem 30-köpfigen Gänse-Kindergarten in einem Café im Kiez wieder, das mich an Seefahrerabenteuer erinnerte. Dort schrieb ich meinen Brief an den fahrradverliebten Herrn und seine Dame fertig, von dem ich Dir in meinem letzten Brief erzählte, bis ich auf einen bekannten Herrn und auf die Australierin traf, der ich einst eine Freude mit „The smell of Australia“ machte. Erinnerst Du Dich noch? Nun, den Herrn begleitete ich zunächst für ein kurzweiliges Gespräch auf die sonnige Terrasse, auf der wir wenig später einen Moment lang von meinem gefiederten Freund „Robin – the bird“ überrascht wurden, der uns etwas Gesellschaft leistete und Glück und Frieden hinterließ. Mit der jungen Dame aus Sydney, die hier nun schon seit einigen Jahren Fuß gefasst hat, unterhielt ich mich danach über dies und das und erhielt zu meiner Freude von ihr eine Einladung zu einer Veranstaltung am nächsten Tag. In den letzten Monaten hatten wir uns schon des Öfteren gesehen und ausgetauscht und somit wusste ich von ihrer Leidenschaft für die süßen Verführungen des kulinarischen Lebens und ihrem Talent für das Design von Torten, deren äußere Erscheinung sich als Handtasche, Schuh, Tier oder was sonst das Kundenherz begehrte, präsentierte. Der Herzenswunsch der Dame ist ein eigener Laden, in dem sie ihre süßen Köstlichkeiten anbieten kann, doch zunächst würde ich zum ersten Mal ihre Kreationen an jenem Freitag live und in Farbe bewundern können.

Vorfreude machte sich breit und als am nächsten Morgen mir auch noch die Sonne ins Gesicht lachte, hüllte ich mich zu Ehren dieses Tages in ein edles Gewand und radelte der königlichen Allee entgegen, in deren Nähe ich „The Baker´s Wife“ finden würde. Auf der Allee erwartete mich schon ein emsiges Treiben, denn die Sonne und Menschen, die unendlich viele Bücher auf einer Meile feilboten, verführten andere Damen und Herren dorthin zu kommen oder entlang der Allee zu flanieren. Manche parkten ihre glänzenden Karossen voller Stolz am Straßenrand und konnten kaum ihren Blick von der Errungenschaft lösen, andere nahmen taschenbepackt zum Lunch auf einer der Café-Terrassen Platz, um sich vom Rausch der Anschaffungen zu erholen. Schließlich parkte ich mein Gefährt vor dem Gebäudekomplex an einer grünen Straße, die gar nicht so farbig erschien und betrat den selbsternannten Hotspot für Design, in dem mich Begegnungen mit bekannten und unbekannten Gesichtern erwarteten, die meinen Aufenthalt dort zu einem wahrhaft freudigen Ereignis werden ließen. So gilt mein Dank unter anderem der jungen Dame mit handwerklichen Fähigkeiten, die ich schon seit einigen Jahren kenne und dort wiedertraf. Sie schenkte mir ihr Ohr und ich erfreute mich an dem Anblick der Leder-Utensilien, für die ihr Talent standen. Ihr Geschäft benannte sie nach einem der kleinsten gefiederten Freunde Europas, dem Zaunkönig, der in Erzählungen auch den Ruf von Schlauheit trägt und ihre Kreationen würdig vertritt.

Ebenfalls freute ich mich über das Wiedersehen mit einem Herrn, der nun schon seit einigen Jahrzehnten die Menschen auf einer Zeitreise verzauberte, die sie beim Anblick des Interieurs bis in die 1920er Jahre mitnimmt. Der Wandel der Zeit beschäftigte ihn auch in unserer Unterhaltung und so tauschten wir Gedanken über die Veränderungen der Welt und eine mögliche Einflussnahme aus. Meinen Kaffee-Durst stillte dann ein bis dato unbekannter Herr, der sich selbst als Kaffee-Enthusiast bezeichnet. Die Begeisterung für seine Leidenschaft war in unserem Gespräch unüberhörbar und so überzeugte er mit seiner Liebe für das dunkle Gebräu genauso wie der Latte Macchiato, den mir seine Dame des Herzens darbot. Seine Rösterei trägt den Namen „Schvarz“ – schwarz wie der Kaffee oder schwarz wie die Farbe? In jedem Fall mit „v“ und einem schönen Gespräch mit einem Menschen voller Träume und Leidenschaft, das mein Herz entzückte.

Mein Weg vorbei an den zahlreichen Ständen und Angeboten, ließ mich auch an einem Tisch innehalten, auf dem mich bunte Flyer neugierig machten. Just trat ein junger Mann an mich heran, um mir den Inhalt näher zu erläutern und so fanden wir uns schnell in einer fröhlichen Unterhaltung wieder. Ich erfreute mich an dem Gehörten über Stadtgärten und ihre sonntägliche Belebung mit Musik, Spiel und Picknick und brachte meinerseits meine Liebe zu Parks in Städten zum Ausdruck, die Du ja bereits kennst. Ein Ausblick auf die Planungen in den kommenden Sommermonaten ließ mich die Verbindung zu ParkLife herstellen und in jedem Fall erhellte mich das Gespräch mit dem jungen Mann, dem ich noch einen gefalteten Glücksgruß hinterließ, bevor ich zu der Dame zurückkehrte, die mich überhaupt dazu inspirierte meine Zeit an diesem Ort zu verbringen.

Endlich konnte ich nun in Ruhe ihr Talent für das Torten-Design bewundern, das sich unter anderem in Gestalt eines Schimpansen zeigte und bei dem ich mir kaum vorzustellen vermochte, dass man ihn zum Verzehr anschneiden würde. Marie bot mir sogleich etwas Süßes an und war nicht minder überrascht, als ich verlauten ließ, dass mein Herz für solche Leckereien nicht unbedingt schlug. Allerdings entdeckte ich ein französisches Gebäck, von dem ich schon viel gehört hatte und sich bisher nie die Gelegenheit bot es einmal zu probieren. Mit dem Wissen über meine herzhaften Vorlieben reichte sie mir schließlich ein Macaron, das ich voller Neugier zum Mund führte. Kaum dass es darin verschwunden war offenbarte sich hinter der knusprigen Hülle eine Caramelcreme, die mit Fleur de Sel – der Blume des Meeres – versetzt war und so einen salzigen Geschmack hinterließ, der in Kombination mit dem leicht süßen Caramel und dem umhüllenden Baiser aus Mandelmehl meine Zunge zum Tanzen brachte. Einfach köstlich war das Resümee, das ich zog und sofort an die Dame weitergab. Von Herzen wünsche ich ihr, dass ihr Traum von einem angemessenem, eigenen Laden in dieser Stadt in Erfüllung geht, der ihren Köstlichkeiten ein Zuhause bietet und in dem sich „The Baker´s Wife“ frei entfalten kann.

Meine Zeit war gekommen mich von diesem Ort und den Menschen dort zu verabschieden und etwas berauscht von den vielen Eindrücken nahm ich auf der anderen Seite der königlichen Allee neben einem Brunnen Platz und genoß die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume blitzten. Irgendwann zog ich weiter, wurde auf einem Abstecher von einer Zwilling-Dame mit einem XXL Abendbrot überrascht und landete schließlich auf der Terrasse einer Bar am Hafenbecken. Wenige Minuten später nahm mir gegenüber eine Familie mit drei Kindern, Oma, Opa, Tante, Oma und Opa Nummer zwei und Hund Platz, die einiges an Beobachtungen boten, inklusive der Vorführung kleiner Kunststücke des Hundes bis es mich endgültig in meine heimischen Gemächer zog. Dort fand ich die nötige Ruhe, die es brauchte um abzuschalten und nahm mir alle Zeit der Welt für ein ausgiebiges Gehirnputzen.

Mit neuer Energie suchte ich zwei Tage später das Café in Hafennähe auf, freute mich dort über Besuch meines Sohnes und stellte die Weichen zur Karriere als zukünftiger youtube-Star… nun ja, zumindest plante ich Lesungen für diesen Kanal und freute mich über die Unterstützung des jungen Mannes mit hawaiischen Wurzeln. Zwei Entdeckungen in der virtuellen Welt rundeten dann meine Woche ab und berührten mein Herz, weil die Menschen, die dahinter stehen, viel bewegen. So wurde ich aufmerksam auf die Weltumsegelung der Hokule’a, einem hawaiischen Kanu, das seit 2013 unterwegs ist und vor ein paar Tagen New York erreichte. Das Schiff wurde 1976 nach alter polynesischer Seefahrer-Tradition erbaut und befuhr nun mit einer 12-köpfigen Mannschaft, die nur die Beobachtungen der Natur und der Sterne zur Navigation nutzt, die Weltmeere, um eine Botschaft auszusenden. Diese lautet „Malama Honua“ – kümmere Dich um die Erde – und nimmt Bezug auf den Klimawandel, der schon heute Menschen mit der Frage beschäftigt „Wohin gehen wir?“. So geschehen zum Beispiel auf der Pazifik-Insel Kiribati, die auf halber Strecke zwischen Hawaii und Samoa liegt und in Folge des Klimawandels dem Untergang geweiht ist. Wenn die Hokule’a 2017 in ihren Heimathafen auf Hawaii zurückkehrt, wird sie 60.000 Seemeilen zurückgelegt, 27 Länder bereist und an 100 internationalen Häfen angelegt haben – und sie wird unzählige Verbindungen zu Menschen auf aller Welt geknüpft haben, um ihre Botschaft zu verbreiten.

Am 13. diesen Monats erfreute ich mich dann noch an einer Live-Schaltung nach Washington, D.C. zum USIP – United States Institute of Peace, um dem Auftritt des Dalai Lama dort beizuwohnen, der von der Ermutigung der Jugend zur Beendigung von Gewalt erzählen wollte. Die Diskussion beziehungsweise die Fragen der Zuhörer führten auch zu seiner Stellungnahme zu jüngsten Geschehnissen, die die Menschen bewegten und veranlasste ihn noch am selben Tag seine Gedanken zu „Why I´m hopeful about the world´s future.“ in der Washington Post zu veröffentlichen.

Die Welt ist in Bewegung und schon einmal zitierte ich den Dalai Lama, als ich vor über einem Jahr der Frage „Was ist Erfolg?“ nachging: „The planet does not need more successful people. The planet desperately needs more peacemakers, healers, restorers, storytellers and lovers of all kinds.“

In diesem Sinne verbleibe ich für heute in Liebe,

Alice

PS: Ich werde den Boomerang jeden Tag werfen und Dir dann von den Geschichten erzählen, die er zu mir zurückbringt. Aloha und Malama Honua.

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerei frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer mit dem Blick was draussen passiert - sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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