Kolumne: Welcome Home, Hokule´a.

Liebesbriefe von Alice.
„Der Wochenrückblick über Themen, die Alice bewegten.
Immer in Verbindung mit Liebe.“

„Lieber Freund,

auf dem Weg zu einem etwas verstecktem Café, das ich dank meiner betagten Brieffreundin vorgestern zum ersten Mal entdeckte und gestern erneut aufsuchte, bemerkte ich wieder einmal in luftiger Höhe ein Segelschiff. Der Blick nach oben ist in diesem Zusammenhang ja eher ungewöhnlich, doch möchte ich das Rätsel an dieser Stelle schnell auflösen, denn es handelte sich um die dreidimensionale Wetterfahne auf einem imposanten Gebäude der Stadt. Auf jeden Fall zauberte mir der Anblick die pure Freude auf das Gesicht, da er mich an ein Ereignis der vergangenen Woche erinnerte, das im besonderen Maße herausstach und meinen Adrenalin-Dopamin-Haushalt über viele Stunden aufrecht erhielt. Der Anlass für diese aufregende Zeit ist mir bereits seit Anfang März bekannt, doch die Vorboten in meinem realen Umfeld stellten sich erst vor einigen Tagen regelrecht fassbar ein. So entdeckte ich unter anderem letzte Woche Donnerstag beim Flanieren durch den Kiez zum zweiten Mal, allerdings an anderer Stelle, original Hawaii-Hemden in einem Schaufenster. Eines dieser Hemden weckte dabei insbesondere meine Neugierde, da auf ihm in Anlehnung an eine Seekarte alle acht größeren Inseln abgebildet waren: Ni´ihau, Kaua´i, O´ahu, Moloka´i, Lana´i, Mau´i und Hawai´i, das vielen auch als „Big Island“ bekannt ist.

Dann brachte mir auch die Schmetterlingsdame am Freitag den Aloha-State nahe und überraschte mich in einem Blumenladen mit der Bestellung eines Hawaii-Kranzes für mein Haupt, der später auf andere Weise zum Einsatz kam, als es zu diesem Zeitpunkt gedacht war.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Homecoming Ceremony der Hokule´a in Honolulu. Die unterschiedlichen Zeitzonen verschoben den Beginn der Feierlichkeiten hierzulande in den Abend, da dann erst der Tag auf Hawaii beginnen würde und so startete ich in die Morgenstunden noch etwas holprig bis sich das Gleichgewicht einpendelte. Zunächst traf ich die Schmetterlingsdame, die aus anderer Richtung kam, wieder im Blumenladen, um dort den bestellten Kranz in Empfang zu nehmen. Die Vorstellung der bindenden Dame von dem hawaiischen Kopfschmuck gingen augenscheinlich jedoch etwas mit Gesehenem von den Inseln auseinander und so übergab sie einen durchaus hübschen Kranz, der mich jedoch eher an Blumenkinder auf einer Wiese erinnerte. Seine wahre Bestimmung erfuhr das Flechtwerk dann zurück in den heimischen, vier Wänden. Dort stellte ich fest, dass es auch zu groß geraten war und nachdem sich die Schmetterlingsdame in Schale geworfen hatte, vollendete das Blumengebinde die anmutige Erscheinung der Dame auf ihrem Haupt. Der Kranz stand ihr ganz ausgezeichnet und meine Wenigkeit schmückte nun weißer Blüten-Zierrat aus vergangenen Tagen, den ich auf der rechten Seite üppig ins Haar steckte. So, wie es auch Hawaiianerinnen tragen. Einem Besuch im Piraten-Café stand nun nichts mehr im Wege und in Begleitung eines jungen Mannes mit Cleopatra, brachten wir unserer Umgebung nun etwas den Aloha-Spirit nahe.

Zu zweit folgten die blühenden Damen dann auf dem Rückweg einer alten Gewohnheit und benutzten für diesen die Straße, um zu einem angekündigten Sommerfest auf dem sogenannten „Friedensplätzchen“ zu gelangen. So kreuzten sich ihre Wege auch mit dem eines Fahrzeugs, das langsam um uns herumfuhr, während sein Fahrer uns mit einer Frage überraschte. So vergewisserte er sich bei der Schmetterlingsdame, ob sie die Dame sei, deren Abbild mit Blütenkranz er eine Stunde zuvor in der virtuellen Welt entdeckt hatte. Lachend bestätigten wir seine Annahme und ich verbuchte diesen Augenblick mit nur einem Wort: spooky.

Nach einer Weile trennten sich auch die Wege vom Schmetterling und mir und nachdem ich noch eine Weile mit zwei betagten Damen auf dem Plätzchen so manchen Gedanken austauschte und den Vorbereitungen zum Fest folgte, entschwand auch ich von dort in die heimischen Gefilde. Im Hinblick auf die Zeremonie zu Ehren der Hokule´a in Honolulu, der ich am Abend per live-streaming beiwohnen wollte, entschied ich mich noch spontan dazu ein Plakat zu malen, auf dem folgendes zu lesen ist:

„WELCOME HOME
HOKULE´A
ALOHA
#bridgetohawaii #malamahonua“

Währendessen meldete sich die Kamikaze-Lady mit Flieger-Leidenschaft, die ich für den Abend herzlich willkommen hieß und die Schmetterlingsdame widmete sich der Zubereitung des leiblichen Wohls. Eine kräuterreiche, grüne Sauce, die ich vor einigen Jahren einmal in Frankfurt probieren durfte, sollte später unseren Gaumen kitzeln und begleitet von hawaiischen Liedern zur Einstimmung auf den Honolulu-Abend, rührte die Dame alles zusammen und vollzog ihre Kochkünste. Nun musste nur noch das technische Equipment vorbereitet werden und um kurz nach 18 Uhr, oder 6 Uhr morgens nach hawaiischer Zeitrechnung, saßen drei Damen mit Blumen im Haar vor zwei Laptops und drei Mobilfunktelefonen und warteten ganz aufgeregt auf den Beginn der Feierlichkeiten. Schnell sollte Angelo, der italienische Espressokocher, auf dem Herd noch heißen Kaffee zaubern, während wir uns für ein Begrüßungsfoto mit Plakat in Szene setzten und gebannt und wortreich immer wieder auf die Bildschirme blickten.

Der Adrenalin-Pegel stieg von Minute zu Minute und als wir einen zweiten Live-Stream im sozialen Netzwerk entdeckten, der auch entsprechend kommentiert werden konnte, gab es für uns Drei kein Halten mehr. Von nun an sprengten Herzen regelmäßig die live-Übertragung während jede von uns parallel oder abwechselnd Aloha-Grüße aus Germany nach Honolulu sendete oder was uns sonst noch so einfiel. Neugierig verfolgten wir auch die anderen Kommentare aus aller Welt und freuten uns, wenn wir noch andere Zuschauer aus Deutschland entdeckten. Besonders verzückt reagierten wir auf die zwei Fernseh-Moderatoren vor Ort auf Magic Island, als wir feststellten, dass sie von Zeit zu Zeit die Kommentare für den hawaiischen Fernsehsender laut vorlasen und wir plötzlich unseren Gruß hörten, den wir gerade geschrieben hatten. Das Honolulu-Hokule´a-Fieber hatte uns fortan vollends im Griff und so verbanden wir uns für die nächsten Stunden mit den Menschen vor Ort und den Zuschauern weltweit, um dieses einzigartige Ereignis gebührend zu feiern. Die Ankunft der Hokule´a nach ihrer dreijährigen Weltumsegelung mit Hilfe traditioneller, polynesischer Navigationskunst und ihrer damit verbundenen Botschaft „Malama Honua“ – kümmere Dich um diese Erde, die auf die Herausforderungen zum Klimaschutz aufmerksam macht und uns alle dazu auffordert einen Beitrag dazu zu leisten.

Fasziniert tauchten wir immer wieder in die live-Übertragung ein, blendeten das Hier und Jetzt aus und wurden mit wunderbaren Bildaufnahmen beschenkt. Das Ufer der vorgelagerten Halbinsel Magic Island vor Honolulu zeigte sich übersät mit Menschen, die das Schiff und seine Crew-Mitglieder willkommen heißen wollten. Begleitet von Bei-Booten, Jetski-Fahrern und Paddlern in polynesischen Einbaum-Kanus zogen zunächst nach und nach die sieben Schwesternschiffe der Hokule´a vor der Stadtkulisse Honolulus in den Yachthafen ein. Hawaiianer in traditioneller Kleidung bliesen in riesige Meeresmuscheln, die einem Horn gleich einen dunklen und tiefen Ton von sich gaben und begrüßten so die Schiffe und ihre Mannschaft. Mit Lei geschmückt berichteten die Kommentatoren, eine behütete Dame und ein Herr,  von den aktuellen Geschehnissen, den Hintergründen zur Geschichte der Hokule´a und luden manchen zum Interview, der in direkter Verbindung zum Schiff steht. Dann war es endlich soweit. Am Horizont des pazifischen Ozeans tauchte unter vollen Segeln das Schiff auf, das nur mit Hilfe des Windes in drei Jahren die Weltmeere bereiste und dabei 40.300 Seemeilen hinter sich ließ und mehr als 150 Häfen in 23 Ländern auf 4 Kontinenten ansteuerte. 245 Crew-Mitglieder machten dies auf insgesamt 31 Etappen möglich und sorgten so auch unter anderem für aufsehenerregende Bilder, wie zum Beispiel vor der Skyline von New York, mit der ich ebenfalls eine tiefgehende Lebensgeschichte verbinde.

Zu Ehren der besonderen Einfahrt in den Hafen Honolulus hatten sich neben Nainoa Thompson, dem Präsidenten der Polynesian Voyaging Society, auf der Hokule´a auch die Crew-Mitglieder der ersten Fahrt des Schiffes nach Tahiti im Jahre 1976 eingefunden und verliehen so dem Aloha-Spirit ungeahnte, überwältigende Höhen, die auch in uns spürbar wurden. So wohnten wir mit weit geöffneten Herzen der Szenerie bei, fühlten uns berührt und verbanden uns mit allen, die diesen Augenblick teilten. Nach Mitternacht verabschiedeten wir uns schließlich aus der virtuellen Welt und lachten noch herzlich über ein Ereignis in der realen Welt um uns herum, das die Frage nach dem Verbleib von Angelo beantwortete, deren Geschichte ich auch einige Stunden zuvor mit Honolulu teilte. Dort hinterließ ich den folgenden Kommentar: „We´ve forgotten the coffee machine on the hotplate and… what should I say!? On Monday we will buy a new one. PS. It happened because we´re looking the live-stream. Aloha.“ Angelo war teilweise dahingeschmolzen, offenbarte dabei seine verbrannte, schwarze Seele und wurde zu Beginn der Woche von der Schmetterlingsdame würdig zu Grabe getragen.

Menschen sind bemerkenswert und so begleiteten die letzte Woche noch einige berührende Begegnungen, die sich neben heißen Sommertagen mit Fluss-Ansichten, überraschenden Hinterhof-Einblicken mit idyllischer Komponente und einem Platzregen-Gewitter am Anfang der Woche, wie folgt zusammenfassend darstellten.

Ein Ausdruck von Liebe und Respekt, laut dem glücklichsten Volk der Welt auf der Südseeinsel Tanna, zeigte sich an drei aufeinanderfolgenden Abenden mit Schmetterlingsdame und jungen Mann mit Reise-Träumen. So zauberten drei Seelen nacheinander eine Menüfolge, die keine Wünsche offen ließ und alle glücklich machte. Meine bezaubernde, betagte Brieffreundin sendete mir Postkarten-Grüße aus einem Kurbad und erhielt in Abwesenheit meinen wöchentlichen Liebesbrief zurück. Per elektronischer Post erhielt ich wiederum Antwort auf einen meiner „Bridge to Hawaii“-Briefe und freue mich nun auf weiteren Austausch mit dem ehemaligen Kameramann, der eine nepalesische Verbundenheit pflegt. Derweil erfuhr ich, dass mein Brief an den Stab der Polynesian Voyaging Society zeitgleich zur Ankunftszeremonie der Hokule´a in den Vereinigten Staaten von Amerika zum Briefzentrum nach Hawaii weitergeleitet wurde, good karma – good news. Nach ihrem Bodensee-Urlaub tauschte ich am Freitag wieder einmal im französisch angehauchten Café mit der Dame mit Ernährungs-Knowhow aktuelle Gedanken aus und ihre Namensvetterin am Gemüsestand wies ich unter anderem auf das live-streaming am Samstag hin. Der Sonntag stand dann ab dem Nachmittag ganz im Zeichen einer Einladung einer Dame aus dem Zeichenkurs, die die Schmetterlingsdame und mich am Flussufer begrüßte. Einige bisher unbekannte Gesichter gesellten sich ebenfalls hinzu und so verbrachten wir die gemeinsamen Stunden mit geschmolzenem Kuchen und Kaffee, einer Talk-Runde, die uns alle näher brachte, einer Lesung meinerseits mit anregendem Gedankenaustausch allerseits und köstlichem Abendmahl der gastgebenden Dame vor Rheinkulisse im Abendlicht. „Folge einfach dem Weg“ hieß dann am Montag und Dienstag meine Maxime und so machte ich unverhofft die Bekanntschaft einer Dame und ihres jüngsten Sprößlings in sengender Hitze, traf ein zweites Mal auf den Herrn mit portugiesischen Wurzeln, der mir die Richtung wies und unterhielt mich eine Weile an einem schattigen Platz in der Nähe der königlichen Allee mit einem betagten Herrn, der mir seine griechischen Wurzeln nahe brachte.

Mit einem Lächeln bei dem Gedanken an Robin, meinen gefiederten Freund, der auch kurz auftauchte und meine Glückszahl „13„, die mir zu Füßen lag, verabschiede ich mich von Dir für heute und freue mich auf eine Abkühlung, die der Wetterfrosch versprach. Bis bald.

In Liebe,

Alice

PS. Zu Ehren der Menschen rund um die Hokule´a möchte ich Dir noch folgendes mit auf den Weg geben:

„Sei ein Träumer, ein Macher, ein Denker.
Sehe die Möglichkeiten. Lenke Deinen Blick auf das Besondere.
Lasse Deine Gedanken bis über die Grenzen des Vorstellbaren wandern.
Sei ein Sonnenschein, gemischt mit einem kleinen Wirbelsturm.
Sei verrückt und doch bezaubernd.
Und sorge dafür, dass nichts Dein inneres Feuer löschen kann.
Dein Herz ist ein Garten voller Liebe.
Aloha.“

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Alice Zumbé, geboren mit künstlerischem Talent, welches im Ursprung bei der Großmutter zu finden ist. Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerin frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer im Blick was dort draussen passiert... sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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