Kolumne: New York, Volume 1. „Falling in love.“

„Liebesbriefe von Alice – live aus New York.“
„Der Wochenrückblick über Themen, die Alice bewegten.
Immer in Verbindung mit Liebe.“

„Lieber Freund,

was soll ich nur erzählen? Wo kann ich beginnen? Gestern konnte ich kaum in Worte fassen, wie es sich anfühlte im „Kaffe1668“ – ja, es wird nur mit einem „e“ am Ende geschrieben – in Manhattan zu sitzen und mit dem Brief an Dich zu beginnen. Vor einigen Tagen stellte ich mir die Frage: „Is it a dream or…?“ und hatte zu dieser Zeit nicht einmal eine Ahnung davon, was es tatsächlich bedeutet den „Big Apple“ zu erleben. Immer noch bin ich überwältigt von dieser Stadt und ihren Möglichkeiten und mit etwas mehr Schlaf und weniger Jetlag, kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich auf dem besten Wege bin mich zu verlieben. Doch bevor ich mit Dir in dieses Abenteuer eintauche, gelten die folgenden Zeilen den Menschen und Erlebnissen der drei Tage vor meiner Abreise.

Im überragenden Maße waren diese von den Damen in meiner Umgebung bestimmt, die mir ihr Gehör schenkten und mich darüberhinaus in jeglicher Hinsicht unterstützten, damit dieser Traum sich gänzlich erfüllen konnte. Manche Dinge gerieten in Schieflage und wurden so wieder gerade gerückt und wenn ich einen Moment lang glaubte keinen Ausweg zu finden, zeigten sie mir eine Lösung auf. Es war ein bewegendes „auf und ab“, das mir so manches Mal meine Grenzen aufzeigte und doch offenbarte, dass sehr viel Hilfsbereitschaft um mich herum vorhanden ist. Aus tiefstem Herzen gilt somit mein Dank und meine Liebe der zauberhaften Schmetterlingsdame Nina, mit der ich lachen und weinen konnte, wir uns gegenseitig stützten wo es notwendig war und all das sich wie immer harmonisch ineinander fügte. Ein Austausch voller Inspiration.

Gleich zwei Mal konnte ich mich auch glücklich schätzen der Sonne Brasiliens zu begegnen, die mir eine Energieverbindung lieh und Sicherheit bot. Joy sagte vor wenigen Wochen einmal: „Wenn ich die Sonne bin, dann bist Du die Liebe und das passt doch gut zusammen.“ Wie sollte ich ihr da wiedersprechen? Sicher erinnerst Du Dich noch daran, dass ich Australiens Sonne ebenfalls erleben durfte und mich dabei ein Stück weit in Sydney verliebte. Nun verwunderte es mich nicht, dass mir die junge Dame aus besagter Stadt und Tortenkönigin Marie unter die Arme griff, als Not an der Frau war. Einst schenkte ich ihr den „Smell of Australia“ und nun gilt ihr mein Dank für die Unterstützung. Überraschend gestaltete sich dann auch mein Treffen mit der Café-Lady Petra, die ein vielfaches Kunstinteresse offenbarte und mir damit auch ein Stück „New York“ schenkte. Ich wünsche ihr ebensoviel Freude mit ihrem Austausch-Werk, wie sie mir bereitete. Nicht zu vergessen die Dame vom Marktstand mit psychologischem Gespür, die mir letzten Freitag Karten und Führer für die Tage auf der anderen Seite vom großen Teich überließ, damit ich auch immer den Weg durch die Schluchten der Stadt finde. Der Hahn im Korb war dann in dieser erlesenen Runde mein Bruderherz, der nun während unserer Abwesenheit in den heimischen Gefilden die Fische gießt und die Blumen füttert. Oder war es umgekehrt? Nun gut, letzlich führte mich all dies nur in eine Richtung: direkt zum Flughafen mit Gepäck und in Begleitung meines Sohnes, um endlich nach 10 Monaten den Gewinn einzulösen.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz erwähnen, dass meine Kunst-Auktion in der virtuellen Welt letzten Mittwoch mit dem selben Ergebnis des Sonntags zuvor endete und ich, wie versprochen, den Preis für das Original-Werk um eine Null vor dem Komma erhöhte: no rules. just fun. Gerlernt habe ich dann heute, als ich diesen Akt zum dritten Mal wiederholte, dass auch diese Welt manches Mal ihre Grenzen hat. Solltest Du zukünftig planen auf diese Weise Besitz zu veräußern, dann berücksichtige bitte, dass zweistellige Millionen-Beträge vom System nicht erkannt werden können. Da jedoch bekanntermaßen aller guten Dinge drei sind und ich mich gerade in der Stadt befinde, in der die Menschen noch an die Erfüllung von „the big dream“ glauben, sollten die potentiellen 1, 3 Millionen Euro wohl ausreichen, um zum Beispiel bei der „New York Fashion Week“ der nächsten Tage mitzumischen. In jedem Fall begann meine Reise schon einmal mit der richtigen Nummer, als ich mich auf „Gleis 13“ wiederfand – das Glück wollte mich offensichtlich ebenfalls begleiten.

Nach einigen Verwirrungen bezüglich unserer vermeintlichen Crew-Mitgliedschaft, die uns das System zumaß, konnten wir schließlich eineinhalb Stunden später glücklich unsere Plätze an Bord der Maschine einnehmen, die uns in die Luft bringen würde. Per se empfinde ich Flüge von solcher Distanz als aufregend im positiven Sinne. Viele neue Gesichter, die luftige Höhe und das noch unbekannte Ziel entfachten in mir das Feuer der Neugierde, das schon Entdecker der Geschichte in sich spürten, wenn sie sich auf zu neuen Ufern begaben. Mit wachen Augen – etwas anderes blieb mir auch nicht übrig, da „Schlaf“ in jeglichen Fortbewegungsmitteln für mich ein Fremdwort ist – erforschte ich meine Umgebung und kam unweigerlich auch mit der Crew ins Gespräch, die uns bestens versorgte und dazu beitrug, dass die Stunden wie im Fluge vergingen. So freute ich mich insbesondere über die Unterhaltung mit der Dame, die schon viele Jahre im Dienst der Fliegerei steht und darüberhinaus eine Passion für eine heilende Tätigkeit in sich trägt. Sie schenkte mir ihr charmantes Ohr zum Austausch und später verbanden wir uns auch in der virtuellen Welt miteinander. Charmant und voller Humor präsentierte sich der Steward mit persischen Wurzeln, der mich zum Lachen brachte, bereitwillig Fragen beantwortete und keine Mühen scheute der wahren Bedeutung von „lifestock“ auf den Grunde zu gehen. 7,5 Stunden später war es dann Zeit allen „Adieu“ zu sagen und zum ersten Mal in meinem Leben den Boden dieses Teils der Erde zu betreten.

Dank eine Landwirtes und seiner Tochter gestaltete sich die Dauer des Wartens bis zur Sicherheitskontrolle zu einem äußerst kurzweiligen Vergnügen und auch der „Officer“ sorgte mit seinem offenen Herzen für interessante Erzählungen während meine Fingerkuppen gescannt und mein Anlitz fotografisch festgehalten wurde. Schließlich belohnte uns dieser Ort nach dem Prozedere mit einem ersten Blick auf die Skyline von Manhattan – in weiterer Entfernung und doch mit hüpfenden Herzen. Der große Moment sollte dann noch auf sich warten, da die Orientierung erst einmal gefunden werden musste. Doch nach „Air Train“ und „Path Train“ sowie der Ankunft am Zwischenstopp „Exchange Place“ offenbarte sich uns dann direkt am Hudson River ein unvergleichliches Schauspiel der untergehenden Sonne, die den Himmel in ein Farbspiel von blau- und rosé-Tönen eintauchte, das sich in den glänzenden Fassaden der Wolkenkratzer wiederspiegelte. Was für ein Anblick!?

Die vielen Stunden ohne Schlaf forderten nun auch ihren Tribut und hegten den Wunsch in mir unsere Unterkunft zu erreichen und nach einer monitär fürstlichen „Yellow Cab“-Fahrt mit dem griechischen Fahrer, stolzer Vater dreier Söhne, erreichten wir schließlich Bayonne – unser Zuhause für die nächsten zwei Wochen. Die Dame, die dort bereits auf uns wartete, hört auf den wunderschönen Namen Desiree, der mich an die Französin Bernardin Eugénie Désirée Clary erinnert, die einst mit Napoleon verlobt war, später schwedische Königin wurde und im hohen Alter von 83 Jahren nach einem Theaterbesuch des Stückes „Das Leben ist ein Traum.“ am 17. Dezember 1860 wieder von dieser Welt ging. Auf den Tag genau 107 Jahre vor meiner Geburt. Desiree aus Bayonne birgt allerdings spanische Wurzeln in sich und kümmert sich etwas um die Gäste vor Ort, da der Vermieter Edward mit hawaiischen Wurzeln auf den Inseln derzeit weilt. So wurden wir von ihr herzlich begrüßt und in das Nötigste eingewiesen bis mich schließlich nur noch einer rief, der den Namen „Schlaf“ trägt.

Wie soll ich Dir nun die Fülle der Erlebnisse der ersten drei Tage in der Stadt, die niemals schläft beschreiben? Nun… die Fakten gestalten sich so: über 70.000 Schritte liegen hinter mir, die mich ca. 51 Kilometer weit trugen. Über Tag ist es durchschnittlich 29 Grad warm, begleitet von strahlend, blauem Himmel, der lediglich gestern kaum zu sehen war und doch dem ganzen Geschehen einen besonderen Reiz verlieh. Die Menschen hier sind so vielfältig in Kultur, Aussehen und Sprache, wie dieser Planet scheinbar an Möglichkeiten bietet und auf meiner täglichen Fahrt zum Hudson, gehöre ich neben meinem Sohn wohl zu den Weißbrot-Exoten unter der Vielzahl an schwarzen Menschen mit interessantem Äußeren. Auf Manhattan mischen sich dann die unzähligen Besucher der Stadt mit den New Yorkern und allen anderen aus der Umgebung und allen ist ein hektisches Treiben gleich, das den Eindruck vermittelt, dass die Zeit verloren ginge, wenn man ihr nicht schnellstens hinterherläuft. Doch lasse ich mich davon nicht weiter beeindrucken und finde meinen eigenen Takt, der mich bereits auf der „Brooklyn Bridge“ bei wolkenverhangenem Himmel schlendern ließ. Meine geliebte Tagesration Kaffee bekomme ich natürlich auch hier in stylischen Cafés, die im Stil durchaus denen in Düsseldorf gleichen. Bis auf den Preis, der hier genauso hoch hinausragt wie die Wolkenkratzer um mich herum. Fastfood ist billig und frisches Gemüse und Obst im Supermarkt eher hochpreisig. Doch bleibe ich auch hier meiner Linie treu und freue mich auf das Kochen auf Gas und selbstgemachte Köstlichkeiten als Wegzehrung. So fanden wir uns schon in einem idyllischen, kleinen Hausgarten in den Straßen Manhattans wieder, der zum Picknick einlud und genossen Pasta-Salat mit frischen Kräutern. Den perfekten Wegweiser entdeckte ich an diesem Tag dann auch gleich in unmittelbarer Nähe: Straßenschilder am Stück, die in alle vier Himmelsrichtungen wiesen und unter anderem mit „LOVE“ und „HAPPINESS“ beschriftet waren. Für welche Richtung ich mich entschied, kannst Du Dir sicher denken.

Financial District, Chinatown und Little Italy; WTC mit 9/11 Memorial, Empire State Building und Flatiron Building; Grand Central Station, NY Public Library und City Hall; Battery Park, Union Square und Madison Square; Downtown und Midtown; Staten Island Ferry und NY Watertaxi; Light Rail, Path und Subway sowie selbstverständlich die berühmte Dame „Miss Liberty“ mit dem Feuer, die alle Seereisenden als erstes empfängt – selbst mir wird ganz schwindelig, wenn ich an die unzähligen Erlebnisse der letzten Tage denke. Somit widme ich mein Postscriptum dieses Mal meinen fotografischen Eindrücken auf dem Weg – denn manchmal sagen Bilder mehr als 1.000 Worte. Heute Mittag hörte ich aus der Entfernung mit Blick auf den Hudson den Song von IZ „Over the rainbow/ what a wonderful world.“ Gibt es ein passenderes Lied an diesem Ort, in diesem Moment? In jedem Fall lässt es mich weiter träumen an diesem Ort, in diesem Moment. Es gibt noch viel zu entdecken. Bis bald.

In Liebe,

Alice

PS: Der Foto-Marathon „Alice on tour – Liebesbriefe aus New York.“ – ein Auszug. [mehr auf instagram]

 

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerei frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer mit dem Blick was draussen passiert - sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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