Zwischen Hollywood und Armenhaus…

Alice Zumbé. Schriftstellerin.

Aus aktuellem Anlass und auf Wunsch von Nina tauche ich an dieser Stelle – und nur hier und jetzt! – in die Tiefen meines Ozeans, den ich mit meinen Tränen füllte und erzähle von den Schatten in meinem Leben. Wie heißt es doch so schön: „Wo Licht ist, fällt auch Schatten.“ und selbstverständlich hat auch mein Leben mindestens zwei Seiten, bezahle ich meinen Preis dafür, dass ich mich jeden Tag neu entscheide meinen Weg zu gehen. Doch bevor ich davon erzähle, sei dies gesagt: Seitdem ich mich mit dem Thema „Liebe“ so intensiv beschäftige, es in meinen persönlichen Alltag integriert habe und mich so wieder selbst gefunden habe, weiß ich, dass ich selbst in den dunkelsten Stunden in den Spiegel blicken kann und dort die Liebe sehe: zu mir selbst, zu den Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle und zu meinem Leben, für das ich mich entschieden habe. Dann brauche ich nur etwas Zeit für mich selbst um wieder das Hier und Jetzt zu erkennen, die Angst vor der Zukunft zu verlieren, mir wieder selbst zu vertrauen und weiter meinen Weg zu gehen. Ich bin Schriftstellerin und ich glaube an die Liebe. Bedingungslos.

Die andere Seite oder das liebe Geld…

Wie fühlt es sich an, wenn der Stromanbieter bereits die zweite Mahnung rausgeschickt hat, wenn zu Beginn des Monats nur noch 10 Euro Bargeld im Portemonnaie zu finden sind oder die erste Pfändung ins Haus steht? 14 Jahre lang, davon 13 Jahre als Angestellte in einem großen Unternehmen, gaben mir die Sicherheit mich solchen Fragen nicht stellen zu müssen. Ich genoss diese angenehme Seite des Lebens, weil ich es mir leisten konnte. Große Wohnung, tolles Auto, neue Sachen, wenn mir danach war. Der wahre Preis, den ich allerdings dafür zahlte, maß sich nicht am Geld. Ich bezahlte für diese vermeintliche Sicherheit nämlich mit meiner seelischen und körperlichen Gesundheit, die langsam und stetig immer mehr ins Schwanken geriet. Angst, Depressionen und ein Krebsverdacht – das war am Ende das Resümee meiner Jahre in dem Job, in dem ich den Ehrgeiz besaß Karriere zu machen, lange als Leistungsträger gesehen wurde, um dann irgendwann festzustellen, dass Menschlichkeit und persönliche Entfaltung nicht gefragt waren. Ich erkannte, dass ich mich selbst verloren hatte.

Drei Jahre brauchte ich dann, um den Mut zu haben aus dieser Form der Arbeit auszusteigen und zwei weitere Jahre erforderte es bis ich verstand, dass ich das Hamsterrad schon längst verlassen hatte. In dieser Zeit versuchte ich von meiner Malerei und einem Taschenlabel zu leben, immer noch getrieben von der Erinnerung schnell und effizient zu agieren, um dann festzustellen, dass die Welt außerhalb der Firma sich wesentlich langsamer drehte und Erfolg niemals zu erzwingen war. Geschäftlich betrachtet scheiterte ich in dieser ersten Selbstständigkeit, allerdings lernte ich auch viel über mich und andere, die in dieser Zeit meinen Weg kreuzten. Vor allem lernte ich, dass meine Künstlerseele nichts mit monitärer Anerkennung zu tun hatte und ich frei entscheiden konnte, ob und wann ich dies zum Ausdruck bringen wollte. Meine Ersparnisse waren nun aufgebraucht und zum gleichen Zeitpunkt deutete sich nun auch das Ende meiner langjährigen Liebesbeziehung an, weil wir uns in verschiedene Richtungen weiterentwickelt hatten.

Mancher würde nun behaupten, dass ich in jeglicher Hinsicht vor einem Scherbenhaufen stand. Doch für mich war es ein Neuanfang und der Beginn einer Abenteuerreise, auf der ich die Liebe mit ins Gepäck nahm. Um weiterhin finanziell abgesichert zu sein, war es erforderlich mich arbeitssuchend zu melden und im Gespräch mit meinem Berater, der mich die nächsten Monate auf meinem weiteren Weg unterstützte, wurde schnell klar, dass ich wieder selbstständig arbeiten wollte. Eine Geschäftsidee lag bereits in der Schublade und eines wusste ich genau: bei allen Herausforderungen und Schwierigkeiten der letzten zwei Jahre hatte ich zu keinem Zeitpunkt meine Entscheidung bereut aus der Firma ausgetreten zu sein und selbstständig zu arbeiten. Es dauerte einige Monate bis alle Unterlagen zusammengetragen, Anträge bearbeitet und genehmigt waren und ich offiziell meine zweite Selbstständigkeit besiegeln konnte. In dieser Zeit hatte ich bereits erfolgreich „Das Büro der Liebe“-Projekt beendet und schrieb am letzten Drittel meines ersten Buches. Darauf folgte dann das crowdfunding Projekt, mit dem ich als Eigenverlag die erste Auflage realisieren wollte. Am 03. Februar 2015 endete das Projekt offiziell erfolglos, da ich nicht genügend Menschen erreicht hatte, die mich unterstützten. Wieder einmal war ich gescheitert. Doch lernte ich, dass es nur eine Möglichkeit von vielen war, um das Buch zu veröffentlichen und so ließ ich los, um neue Wege zu gehen. Schon seit Monaten hielten mir darüber hinaus Nina und ein weiterer Freund den Spiegel „Du bist Schriftstellerin, also schreibe das nächste Buch.“ vor die Nase und so fand ich mit der I AM FOR LOVE Kampagne eine neue Idee, die mir den Weg wies, wie und worüber ich mein zweites Buch schreiben wollte.

Aber nun zurück zu den Fragen „Wie fühlt es sich an, wenn…?“. Immer, wenn ich in eine solche Situation gerate, fühlt es sich schwer an. Es ist dieser eine Moment, in dem es scheint, dass alles woran ich glaube ins Wanken gerät. Ich spüre wie sich die finanzielle Last auf meinen Schultern ablädt und versucht mich in die Knie zu zwingen. Sie schickt mir die Angst, die sich einfach ungefragt in meine Seele drängt und mir zuflüstert: „Du bist klein. Unbedeutend. Du schaffst das nicht. Du bist ein Träumer.“ und sie stellt diese eine Frage: „Wohin soll das führen?“. Sie lässt mich in diesem Moment erstarren, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Sie lässt mich zweifeln, macht mich unsicher, so dass ich mich in der Zukunft verliere, die noch gar nicht geschrieben ist. Und manchmal weine ich dann, als wenn es kein morgen gäbe. Mancher sagt „Tränen reinigen die Seele“ und so fühle ich es dann auch. Plötzlich wird alles weggespült und ich spüre, dass es leichter wird um mein Herz. Zaghaft finde ich wieder zurück zu mir und erinnere mich an die positiven Erlebnisse der letzten zwei Jahre, die meinen Geist erhellen. Die Angst verliert und ist nicht weiter Gast in meiner Seele. Und ich sage mir: „Ja, Du bist schon oft gefallen, aber nur wer wagt gewinnt.“ Dann heißt es nur noch: aufstehen, Kopf hoch, Krone richten und weiter gehen. Der Humor findet so auch wieder zu mir zurück und in so manchen Momenten haben Nina und ich herzlich gelacht, wenn Hollywood und Armenhaus auf einen Tag fielen.

Ich habe mich für dieses Leben, diesen Weg entschieden, stelle mich den Dingen, die an mich heran getragen werden und übernehme die Verantwortung dafür. Und ich bin dankbar! Vor allem den Menschen, die mich begleiten, mir helfen, an mich glauben und auch in den dunklen Stunden an meiner Seite stehen.

 

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerei frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer mit dem Blick was draussen passiert - sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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