Las Vegas oder Je suis pour l´amour…

Gruppenbild mit Liebe.

Wenige Tage nach der Ideenparty führte mich mein Weg ins Stadtmuseum. Wie jeden letzten Samstag des Monats in den vergangenen 11 Monaten fand ich mich dort am Vormittag zu einem Zeichnenkurs ein, den seit einigen Jahren mein Herzensfreund Helmut durchführte. Ein erfreulicher Umstand, der mir sowohl einige Stunden an diesem wunderbaren Ort als auch Zeit mit Helmut bescherte, der mir schon oft sein offenes Ohr und Herz geschenkt hatte. Dort traf ich auch auf eine illustre Gruppe kunstinteressierter Menschen, die ihre Talente verfeinern wollten und an diesem Tag sich der Entdeckungen im Maxhaus zeichnerisch widmeten, das unweit vom Stadtmuseum lag und in dem sich einst ein Franziskaner-Kloster, gegründet 1661,  befand. Mir war dieser Ort weitesgehend unbekannt – später erinnerte ich mich daran, dass ich dort schon einmal eine Kunstausstellung besuchte – und so wandelte ich durch den ehemaligen Kreuzgang des Gebäudes bis ich dort Fenster in der angrenzenden Mauer zur Barockkirche St. Maximilian entdeckte. Diese gewährten einen Blick von oben in das Kircheninnere und so konnte ich unbeobachtet die Zuhörer eines gerade stattfindenden Orgelkonzertes betrachten. Ein aussergewöhnlicher Blick dahingehend, dass ich mich mitten in einem Gebäude befand und Fenster dieser Art nur von Außenmauern kannte. So entschied ich mich dort zu verweilen und diesen Blick in die Kirche hinein zeichnerisch festzuhalten. Ein weiterer Kursteilnehmer hatte seinen Platz in der zweiten Fensternische eingenommen und vervollständigte dort sein Werk mit Pinsel und Farbe.

Zwei Stunden später zeigte mein Blatt Papier das Ergebnis meiner zeichnerischen Bemühungen und ich vollendete diese mit meiner Signatur. Helmut drehte in dieser Zeit seine Runde und stand jedem Teilnehmer mit Rat und Tat zur Seite. Nun erreichte er auch mich und ich präsentierte ihm mein Werk. Einige Tage zuvor sprachen wir auch darüber, dass er noch gerne bei meiner I AM FOR LOVE Kampagne mitmachen wollte und so nutzten wir die Gunst der Stunde ein Foto von ihm mit dem Plakat, das ich extra mitgebracht hatte, zu machen. Während ich meine Sachen packte ging er wieder zurück zu einem der anderen Zeichnen-Talente und ich schaute mir noch das Ergebnis meines Sitznachbars an, der ebenfalls seine Sachen zusammenpackte. Volker zählte bereits 75 Lebensjahre und hatte den Beruf des Architekten erlernt und ausgeübt. Nun übte er sich in der Aquarell-Malerei und ich bestaunte das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit der Kunst. Wir unterhielten uns einen Moment lang und ich erzählte ihm von meiner Kampagne und fragte ihn, ob er auch bereit wäre ein Statement für die Liebe abzugeben. Er sah mich an und sagte: „Aber sicher doch.“ So fotografierte ich auch ihn mit dem mitgebrachten Plakat und nach der Aufnahme verriet er mir noch, dass er meine Frage ein halbes Jahr zuvor mit „Nein“ beantwortet hätte. Ich blickte ihn erstaunt an, entschied jedoch dies in diesem Moment nicht weiter zu vertiefen. Wir gingen dann gemeinsam zu den anderen, die bereits vorne im Gebäude warteten und sich bereit machten für den Rückweg zum Museum. Spontan entschloss sich dort noch ein Herr meine Kampagne zu unterstützen und ich freute mich über diese Teilnahme.

Gegenüber vom Museum befand sich ein kleines Café mit Kultcharakter, das mich immer an ein französisches Bistro erinnerte und mit seinem künstlerischem Flair bestach. Helmut, Volker und ich beschlossen dort noch einen Kaffee zu trinken und so den Kurs für diesen Tag ausklingen zu lassen. Wir unterhielten uns über dies und das und ich erzählte den beiden Herren von meinem Abend auf der Ideenparty, auf der ich zum ersten mal öffentlich von meinem Traum einer I AM FOR LOVE World Tour berichtete. Volker hörte mir aufmerksam zu und nachdem ich meine Ausführungen beendet hatte, ergriff er das Wort: „Das hört sich äußerst interessant an und bringt mich dazu hier eine Geschichte aus meinem Leben zu erzählen.“ Ganz gespannt lauschten nun Helmut und ich seinen Worten und was ich hörte brachte mich zum staunen, so dass ich kaum glauben konnte, was gerade passierte. Volker sprach von seiner Zeit in Brasilien, wo er vor 25 Jahren Melissa kennen und lieben lernte. Sie arbeiteten damals gemeinsam an einem Projekt, das er als Architekt betreute und verloren sich dann jedoch aus den Augen, weil neue Aufgaben und andere Länder auf sie warteten. 25 Jahre vergingen, in denen Volker immer wieder versucht hatte zu erfahren wo Melissa ist, jedoch ihre Spur nicht finden konnte. Und dann sprach er die Worte aus, die mir die Klarheit gaben zu wissen, was nun kommen würde: „Vor einer Woche habe ich dann Post bekommen.“ Ohne darüber nachzudenken schaute ich ihn mit großen Augen an und aus meinem Mund sprudelte ein Wort: „Melissa.“ Er lächelte mich an und bestätigte meinen kleinen Ausbruch damit, dass er tatsächlich einen Brief von Melissa erhalten hatte. So erfuhr Volker, dass sie ebenfalls auf der Suche nach ihm gewesen war und mittlerweile in Las Vegas wohnte. Er hatte auch schon mit ihr telefoniert und nun, da er von meiner World Tour erfuhr, bat er mich ihm das Konzept für Melissa mitzugeben, da er glaubte, dass sie mir vielleicht weiterhelfen könnte. Mir fehlten die Worte und ich fühlte mich einen Moment lang fassungslos, da es doch so unglaublich schien, das meine und seine Geschichte plötzlich zueinander fanden. Wieder einmal staunte ich darüber was geschah, wenn Menschen über Liebe sprachen und es erfüllte mich fast auf berauschende Art und Weise. Auch Helmut war überrascht über diese Entwicklung und so lachten wir alle herzlich über diese wunderbaren Verwicklungen. Wir verweilten noch einen Augenblick an diesem Ort und verabschiedeten uns dann alle voneinander, um für eine Weile wieder getrennte Wege zu gehen.

Mich führte es zurück in mein Stadtviertel und ins Don, wo ich erst einmal das Erlebte ein Stück loslassen konnte, da schon die nächste Überraschung auf mich wartete. Über facebook erfuhr ich von zwei neuen Teilnehmern der Kampagne. Alex hatte die Zeit gefunden und sich mit ihrem selbstgemalten Plakat fotografieren lassen, dass schon seit einigen Tagen fertig herumlag und Irmtraud, ein treuer Fan vom „Büro der Liebe“, wurde kreativ und sendete mir ihr Foto mit ihrem Statement für die Liebe. Außerdem erreichte mich eine Liebe-Botschaft von Josipa, die ich ihn Düsseldorf kennenlernte und die mittlerweile in Stuttgart lebte. Sie schrieb auf die Tafel ihrer Tochter „Ich bin für Liebe“ und fotografierte sich dann selbst mit diesem Hintergrund. Darüber freute ich mich sehr, verbanden uns doch viele schöne Erlebnisse miteinander in der Zeit in Düsseldorf, in der sich auch eine tolle Freundschaft entwickelte. Dann betrat Anne das Café und setzte sich zu mir. Wir hatten uns einige Wochen zuvor dort kennengelernt und tauschten uns seitdem gerne aus, wenn wir uns über den Weg liefen. Ich erzählte ihr von meinen Erlebnissen des Tages, was sie dazu veranlasste ebenfalls an der Kampagne teilnehmen zu wollen. Spontan und glücklich fotografierte ich sie mit dem Plakat im Don. Was für ein Tag. Ohne Erwartungen hatte ich mich eingelassen und wurde mit einer Fülle überrascht, die ich mir in meinen kühnsten Vorstellungen nicht hätte ausmalen können. Und alles beinhaltete eine Verbindung: die Liebe.

Zu guter Letzt endete der Tag für mich dann mit meiner frankophilen Seite, schließlich konnte ich auf einen Stammbaum zurückblicken, der eindeutig auf französischen Wurzeln gründete. Michel, ein guter Bekannter und Künstler aus Paris, der nun schon viele Jahre in Düsseldorf lebte, besuchte das Café und nahm an meiner Seite Platz nachdem Anne schon wieder entschwunden war. Wir plauderten eine Weile und irgendwann fragte ich ihn, ob er auch ein Statement für die Liebe in Form eines Fotos abgeben wollte. Er bejahte meine Frage und so fotografierte ich auch ihn mit dem Plakat. Da ich es allerdings nicht in der französischen Sprachvariante dabei hatte, versprach ich es mit den folgenden Worten im Netz zu veröffentlichen: JE SUIS POUR L´AMOUR.

 

Über Alice Zumbé

Wer bin ich? Meine immer währende Neugierde auf Menschen aller Art gab schnell den Weg zur Portraitmalerei frei. Jedoch auch andere Facetten meines Lebens führten zu zahlreichen Interessensgebieten. Immer mit dem Blick was draussen passiert - sowohl im Detail als auch im großen Ganzen. Es bleibt spannend in der Welt.
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