{"id":3458,"date":"2018-06-08T19:25:41","date_gmt":"2018-06-08T17:25:41","guid":{"rendered":"http:\/\/alicezumbe.de\/blog\/?p=3458"},"modified":"2018-06-09T12:22:53","modified_gmt":"2018-06-09T10:22:53","slug":"kolumne-selbstbeherrschung-oder-die-geschichte-mit-den-muecken-und-elefanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alicezumbe.de\/blog\/kolumne-selbstbeherrschung-oder-die-geschichte-mit-den-muecken-und-elefanten\/","title":{"rendered":"Kolumne: Selbstbeherrschung oder die Geschichte mit den M\u00fccken und Elefanten."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3459\" aria-labelledby=\"figcaption_attachment_3459\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 160px\"><a href=\"http:\/\/alicezumbe.de\/blog\/kolumne-selbstbeherrschung-oder-die-geschichte-mit-den-muecken-und-elefanten\/alice_zumbe_nb-108\/\" rel=\"attachment wp-att-3459\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-3459\" title=\"Alice_Zumb\u00e9\" src=\"http:\/\/alicezumbe.de\/blog\/blogin\/media\/\/2018\/06\/Alice_Zumbe_nb2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"figcaption_attachment_3459\" class=\"wp-caption-text\">Liebesbriefe von Alice.<\/figcaption><\/figure>\n<address style=\"text-align: center;\">&#8222;Der Wochenr\u00fcckblick \u00fcber Themen, die Alice bewegten.<\/address>\n<address style=\"text-align: center;\">Immer in Verbindung mit Liebe.&#8220;<\/address>\n<p>&#8222;Lieber Freund,<\/p>\n<p>letzten Dienstag musste ich mich in Selbstbeherrschung \u00fcben, denn ich entschied mich bei etwas k\u00fchleren Temperaturen f\u00fcr festes Schuhwerk ohne dabei zu bedenken, dass zwei Tage zuvor eine M\u00fccke an meinem linken Fu\u00df Blut abgezapft hatte. Nun bemerkte ich recht schnell, dass das Innenfutter stetig an der Einstichstelle entlangrieb und damit einen unb\u00e4ndigen Juckreiz ausl\u00f6ste. Da ich mich allerdings bereits auf dem Weg befand, lernte ich auch bei einem Zwischenstopp mit Hilfe des jungen Mannes mit <em>Aloha<\/em>-Spirit, dass geistige Ablenkung dem Drang zum Kratzen entgegenwirkte. M\u00fccken waren seit letztem Sonntag nicht die einzigen Lebewesen, die in meinen Fokus gerieten. Neben immer wieder vorbeiflatternden Schmetterlingen, die in der Luft zu tanzen schienen, nahmen mich auch Elefanten seither von Zeit zu Zeit geistig ein, ohne dass ich wirklich ahnen konnte, welche Bedeutung sich dahinter versteckt.<\/p>\n<p>Bankgesch\u00e4fte f\u00fchrten mich an diesem Sonntag zun\u00e4chst in die Innenstadt und da ich mir noch unschl\u00fcssig dar\u00fcber war wohin es mich zog, nahm ich erst einmal auf einer Bank an einem Platz vor einer Kirche meinen Sitz ein. Dort gab ich mich dann den Beobachtungen um mich herum hin und lie\u00df Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen. Mein Augenmerk fiel dann auf ein riesiges Banner, das an der Kirche befestigt war und unter anderem auf eine Foto-Aktion mit dem Titel <em>&#8222;Repicturing Homeless &#8211; Obdachlose anders sehen&#8220;<\/em> hinwies. Das Vorher-\/Nachher-Portrait des Herrn wies bei der Nachher-Aufnahme gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten mit einem italienischen, modebewussten Herrn auf, den ich kenne und \u00e4hnelte im Vorher-Bild dem Konterfei von Robert de Niro in einer seiner Filmrollen. Doch in allererster Linie sah ich einen Menschen, dem andere das Label <em>&#8222;obdachlos&#8220;<\/em> wie ein Brandzeichen appliziert hatten. <em>&#8222;Kleider machen Leute&#8220;<\/em> hei\u00dft es im Volksmund und auch wenn ich mir dessen bewusst bin, dass wir visuelle Wesen sind, erinnerte es mich vor allem an das d\u00e4nische M\u00e4rchen <em>&#8222;Des Kaisers neue Kleider&#8220;<\/em>, in dem statt der Wahrheit lieber Ansehen und Wohlstand gew\u00e4hlt wurde, bis ein Kind die Welt wieder gerade r\u00fcckte. Mich lehrte das Leben immer hinter die Kulissen zu schauen und sich nicht von dem \u00e4u\u00dferen, oftmals sch\u00f6nen Schein blenden zu lassen und so hatte ich bisher auch das Gl\u00fcck mit Menschen jeglicher Couleur in Kontakt zu kommen. Doch zur\u00fcck zu den Elefanten oder wie es weiterging.<\/p>\n<p>An den angehenden Schriftstellerkollegen entsandt ich von der Bank aus eine Nachricht und wenig sp\u00e4ter kl\u00e4rte sich meine n\u00e4chste Wegstation, die mich mit ihm und neuen Orten in Verbindung brachte. Mit <em>Schvarz<\/em>-Kaffee und K\u00e4sekuchen von der australischen Tortenk\u00f6nigin tauchte ich erst einmal alleine in dieses Hinterhof-Garagen-Caf\u00e9 an der stillgelegten Bahntrasse ein. Stylisches Interieur mit gro\u00dfem Holztisch und Hipster-gleiche G\u00e4ste fielen in der Privatr\u00f6sterei ins Auge, genauso wie der junge Mann mit japanischem Namen, den ich bereits von einem anderen Ort her kannte. Die Sommelier-gleichen Gespr\u00e4chsinhalte eines b\u00e4rtigen Herrn mit seiner Herzensdame zu Kaffeesorten, Duft und Nuancen weckten nicht mein Interesse und so freute ich mich \u00fcber den Anblick des Freundes, der herbeigeradelt kam. Nach eingehenden Worten zu den Eindr\u00fccken des bisherigen Tages \u00fcberraschte uns dann noch der Besuch des Herrn ohne <em>&#8222;D&#8220;<\/em>, den ich seit dem Silvestertag nicht mehr gesehen hatte. Entsprechend gro\u00df war die Wiedersehensfreude, die sogar fotografisch mit Spa\u00df und <em>&#8222;Schnick-Schnack-Schnuck&#8220;<\/em>-Handspiel festgehalten wurde. Nach einer Weile entschwand der Mann ohne <em>&#8222;D&#8220;<\/em> auch schon wieder und nach einer weiteren Getr\u00e4nkerunde beschlossen Schriftsteller und Schriftstellerin kurzerhand die restlichen Sonnenstunden f\u00fcr einen Ausflug zum nahe gelegenen Grafenberger Wald zu nutzen. Nun, was soll ich weiter sagen?<\/p>\n<p>Es war erhellend, es war herzerfrischend, es war traumhaft sch\u00f6n. Der Wald im Nordosten der Stadt mit seinen riesigen B\u00e4umen soweit das Auge reicht, bot herrliche Sinneseindr\u00fccke und wenn wir f\u00fcr einen Moment innehielten, h\u00f6rten wir die zahlreichen V\u00f6gel hochoben in den Baumwipfeln singen. Was sie sich wohl zu erz\u00e4hlen hatten? Das satte Gr\u00fcn der Bl\u00e4tter, der Duft des Waldes und das glitzernde Sonnenlicht, das immer wieder durch die Baumkronen blitzte, beruhigte die Sinne f\u00fcr den Augenblick. Wir erforschten die Wege, erklommen steile H\u00fcgel mit schiebenden Drahteseln, um ersch\u00f6pft auf einer Holzbank wieder zu Atem zu kommen und erfreuten uns an nachfolgenden Bergabfahrten, die uns den Wind um die Ohren bliesen. Der Weg zum Wildpark f\u00fchrte nur zu verschlossenen Toren und so parkten wir unsere Drahtesel, um abermals in den Wald einzutauchen, wo uns bald auch die M\u00fccken begr\u00fc\u00dften. Somit verabschiedeten wir uns von ihnen auch wieder recht schnell, traten den R\u00fcckweg an und ohne den genauen Anlass noch nachvollziehen zu k\u00f6nnen, begann der Freund \u00fcber Elefanten zu sprechen. Dies f\u00fchrte meinerseits zu Erz\u00e4hlungen \u00fcber den grauen Riesen aus meiner Vergangenheit, die mich mit ihm immer mal wieder in Ber\u00fchrung gebracht hatte. Wir entfesselten unsere Drahtesel, gingen ein St\u00fcck des Weges und pl\u00f6tzlich bemerkte der Freund, dass wohl ein ziemlich junger Erdenb\u00fcrger seinen Schnuller verloren hatte. Neugierig fragte ich nach der genauen Stelle und ohne zu wissen was mich genau dazu bewog, hob ich den Sauger vom Boden auf. Als ich ihn nun in meinen H\u00e4nden von allen Seiten betrachtete, entdeckte ich auf dem Schild die Darstellung eines kleinen, gr\u00fcnen Elefanten: <em>spooky<\/em>.<\/p>\n<p>Ein weiterer Zwischenstopp f\u00fchrte uns dann zur Rennbahn im Wald, die ich bisher noch nie von Nahen betrachtet hatte. Das gesamte Areal zeigte sich recht imposant und so flanierten wir entlang der Bahn zu den Trib\u00fcnen, die mich in ein Jahrhundert tr\u00e4umen lie\u00dfen, in dem die Damen wie in dem Film <em>&#8222;My Fairlady&#8220;<\/em> mit langen Kleidern und riesigen H\u00fcten und die Herren mit Frack und Zylinder dem Pferderennen beiwohnten. Das n\u00e4chste Rennen ist f\u00fcr August angek\u00fcndigt und die Startzeit, die auf den Punkt genau meine Geburtszeit und meine Gl\u00fcckszahl trifft, veranlasst eventuell zu einem weiteren Besuch und der ersten Wette meines Lebens. Nachdem ich den Freund verabschiedet hatte, entdeckte ich auf dem Nachhauseweg noch britische Hotelerie, die mich an royale Ereignisse erinnerte und freute mich \u00fcber Eindr\u00fccke vom Segelschiff in luftiger H\u00f6he mit Ausrichtung nach Hawaii und reflektierenden Parkansichten vor untergehendem Sonnenlicht.<\/p>\n<p>Einer Einladung folgend traf ich am n\u00e4chsten Tag in den Abendstunden bei der doppelnamigen Dame ein, die f\u00fcr ein paar Wochen nur im hohen Norden anzutreffen ist und staunte nicht schlecht, als ich ihren Elefanten-T\u00fcrstopper am Boden entdeckte. Sogleich zeigte sie mir noch ihre Marmor-Elefanten aus Carrara in Italien, das ich ebenfalls einst bereist hatte. Langsam entwickelte sich eine ganze Elefanten-Herde auf meinem Lebensweg, die scheinbar nicht enden wollte. Nachdem ich im Rahmen von <em>Bridge to Hawaii<\/em> und dem internationalen Umwelttag am Dienstag einen offenen Brief im Netz ver\u00f6ffentlicht hatte, in dem die <em>Ohana<\/em>, hawaiianisch f\u00fcr Familie, eine wesentliche Rolle spielte, begab ich mich am Mittwochabend zu einer Lesung der besonderen Art. Der Schriftsteller-Freund hatte mich dorthin gelockt und trotz, dass die junge Dame mit ihrem Deb\u00fctroman nicht mein Interesse weckte, schmunzelte ich doch sehr \u00fcber die zwei Elefanten auf einem Plakat, die mir bei umherschweifenden Blick ins Auge fielen. Ein anschlie\u00dfender, ausgiebiger Spaziergang mit dem Herrn durch den Hofgarten bis in die Nacht hinein, diente der Reflektion mit interessantem Gedankenaustausch und so gingen wir zufrieden wieder auseinander.<\/p>\n<p>Erstaunliches trug sich dann am gestrigen Morgen zu. In einer Stadt am Rhein im s\u00fcdlich gelegeneren Teil des Landes beschloss ein Elefant den gastierenden Zirkus zu verlassen und alleine einen Spaziergang durch die Gegend zu unternehmen. Dabei wurde er von Passanten auf Zelluloid gebannt und gelangte so zu einer gewissen Ber\u00fchmtheit im Netz, wo ich ihn entdeckte und herzlich lachte, als ich die Aufnahmen sah. Was das alles zu bedeuten hat? Ich wei\u00df es nicht&#8230; es ist ein Wunder. Und die Glaskugel der Zukunft wird zeigen wohin es f\u00fchrt. Alles ist m\u00f6glich und ich freue mich darauf, denn es k\u00f6nnte gro\u00dfes bedeuten. In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Dir eine wundervolle Zeit. Bis bald, mein Freund.<\/p>\n<p>In Liebe und Aloha,<\/p>\n<p>Alice<\/p>\n<p>PS. Die letzten Worte geh\u00f6ren Albert Camus, der in seinen Tageb\u00fcchern von M\u00e4rz 1935 bis Februar 1942 unter anderem schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8222;Wenn ich hier ein Buch der Moral schreiben w\u00fcrde, <\/em><br \/>\n<em>h\u00e4tte es hundert Seiten und 99 w\u00e4ren wei\u00df. Auf der letzten Seite w\u00fcrde ich schreiben: <\/em><br \/>\n<em>\u00b4Ich kenne nur eine Pflicht und es ist die Liebe.\u00b4&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Wochenr\u00fcckblick \u00fcber Themen, die Alice bewegten. 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